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Der richtige Weg?

PRODUZENTENALLIANZ und der Traum vom Film!

Die Film- und Fernsehbranche gilt für viele immer noch als berufliches Traumziel, das Filmemachen in all seinen Facetten ist für viele eine 'labour of love'.

Dieser Enthusiasmus und die Bereitschaft, vieles auf dem 'Weg zum Film' hinzunehmen, wurde und wird von Produzenten zunehmend genutzt, um mit vielen Praktikanten dem finanziellen Druck, dem sie seit langen seitens der Sender und angesichts der niedrigen Margen im Kinofilmbereich ausgesetzt sind, zu entkommen. Am deutlichsten drückt dies die gestrige Presseerklärung der PRODUZENTENALLIANZ aus, die in ihrem schamlosen Zynismus nichts von diesem Traum, der auch immer einer des gemeinsamen Arbeitens und des gemeinsamen kreativen Schaffens war und ist, übrig lässt.
Praktika sind nach Meinung von Alexander Thies, dem Vorstandsvorsitzendem der PRODUZENTENALLIANZ, fast die einzige Ausbildungsmöglichkeit für bestimmte Gewerke der Filmindustrie (was nicht stimmt, aber das ist ein anderes Thema), und Praktika sollten deshalb nicht unter das Mindestlohngesetz ab Januar 2015 fallen. Und das Gesetz macht schon eine Ausnahme, da der Mindestlohn erst ab 6 Wochen Praktikum gelten soll! Die PRODUZENTENALLIANZ möchte gerne eine Ausnahme für 12 Monate! Erst danach sollte dann der Mindestlohn im Durchschnitt pro Monat innerhalb von 2 Jahren gewährleistet sein.
Die Allianz verschweigt, dass alle Praktikanten am Set, im Schneideraum oder im Büro arbeiten, und zwar vom ersten Tag an. Praktika sind nicht "hol mal 'nen Kaffee" und "sperr' da mal ab"-Jobs verbunden mit der Möglichkeit zuzuschauen. Praktikanten arbeiten als Assistenten, Fahrer, 2. Aufnahmeleiter, 2. Cutterassistenz, im Produktionssekretariat, in der Recherche, in der Buchhaltung etc. Sie arbeiten! Und lernen dabei viel, wie in jedem moderenen Job, und werden bei einem der nächsten Filme dann aufrücken in der Hierarchie, aber gearbeitet haben sie von Anfang an.
Durchschnittlicher Mindestlohn wird ab Januar 2015 brutto 8,50 € sein ! Das ist sind 1.360 brutto im Monat.
Die PRODUZENTENALLIANZ hat 2011 stolz den neuen Manteltarifvertrag verhandelt und verkündet: WOCHENGAGE brutto für Fahrer 660€, für 2. Schnittassistenz 703€, für 2. Aufnahmeleitung 893€, für Sekretariat/Teamassistenz 872€, für Produktionsassistenz 1169€. Das sind Wochengagen wohlgemerkt für die Jobs, in denen heute Praktikanten missbraucht werden, um diese Gagen nicht zahlen zu müssen.
Nun, sagt die PRODUZENTENALLIANZ, die Produzenten können dies nicht zahlen! Damit gesteht sie die eigene Unfähigkeit der Verbände und Produzenten ein, gerechte "Terms of Trade" und 'realistisches Kalkulieren' bei den Sendern und Förderern durchzusetzen.
Die Erklärung der PRODUZENTENALLIANZ zeugt vom selben Geist, mit dem sie meint, seit Jahren mit den Urhebern im Zusammenhang mit deren Urhebervergütung umgehen zu können. Die PRODUZENTENALLIANZ hat recht, dass die Produzentinnen und Produzenten es kaum noch schaffen, die selbst ausgehandelten Tarifverträge mit den von den Sendern angebotenen und im Rahmen von Förderrichtlinien möglichen Margen in Übereinstimmung zu bringen. Dann soll sie kämpfen! Dass sie stattdessen meint, die Misere der deutschen Produzentinnen und Produzenten mithilfe der Ablehnung des gesetzlichen Mindestlohns kaschieren und ihre eigene Existenz auf dem Rücken eines filmeigenen Prekariats sichern zu können, ist armselig und wird die Branche und den "Traum vom Film" nachhaltig beschädigen.